Antiobiotika-Quellen im Koifutter

iSpider

Mitglied
Hallo zusammen,

eine Bekannte hatte vor 5 Tagen den Koi Doc an der IH wegen offenen Stellen.
Es waren eigene Nachzuchten von Chagoi/Karashi, jetzt Nisai mit bereits 65cm :D

Doc macht ein Antibiogramm und es sind zig Resistenten vorhanden.
Wie kann das sein? Es würde nur frisches Wasser, Salz und ab und an Chlordioxid dazugegeben.

Woher kommen die Resistenzen? Die werden doch nicht vererbt?
Ich habe einen alten Beitrag / Blog von einem Koi Händler gesehen gesehen, da beschreibt er dass er möglichst arktische Fische fürs Fischmehl nimmt usw...
Kann es sein, dass man sich auf lange Sicht Antiobiotika in kleinen Mengen ständig über das Futter gibt? Lachsmehl aus Zuchtfsichen könnte doch schon ein Problem sein? Die Bekannte füttert ein günstiges Futter mit viel Protein, Leider auch Blutmehl und Geflügelprotein drin. Kann das ggf. das Problem sein?

LG Melli
 

aixkoi

Mitglied
Hi Melli,

nicht die Koi deiner Bekannten sind Antibiotika resistent sondern die pathogenen, sprich krankmachenden Keime, die die Aufbrüche bei den Koi verursachen. Diese Resistenzen haben ihre Ursache meist in der missbräuchlichen Verwendung von Antibiotika in der professionellen Aquakultur, der Koizucht in u.a. Japan aber auch durch unbedachte Pauschalbehandlungen mit Antibiotika z.B. an Koiteichen.
 

iSpider

Mitglied
Hi Melli,

nicht die Koi deiner Bekannten sind Antibiotika resistent sondern die pathogenen, sprich krankmachenden Keime, die die Aufbrüche bei den Koi verursachen. Diese Resistenzen haben ihre Ursache meist in der missbräuchlichen Verwendung von Antibiotika in der professionellen Aquakultur, der Koizucht in u.a. Japan aber auch durch unbedachte Pauschalbehandlungen mit Antibiotika z.B. an Koiteichen.
Da hast du die Ausgangslage nicht verstanden.
Mir geht es nicht um "wilden" Antiobiotika Einsatz .
Bitte nochmal genau lesen.

Sondern ob falsches Futter eben Antiobiotikarückstände haben kann.
 

szin

Mitglied
Nach meinem laienhaften Verständnis entwickeln Keime/Bakterien Resistenzen, so dass in der Folge Antibiotika nicht mehr wirken, sie quasi immun dagegen sind.

Die Ursache dafür kann vielfältig sein. Eine Möglichkeit wären die genannten Antibiotikum-Rückstände im Futter. Inzwischen sind Antibiotika-Rückstände aber praktisch überall nachweisbar, auch im Trinkwasser. Die Keime/Bakterien müssen die Resistenzen nicht bei Deiner Bekannten entwickelt haben, Melli. Vielmehr können Keime/Bakterien in den Teich gelangt sein, die zuvor bereits gegen zahlreiche Mittel resistent waren. Auch die möglichen Wege hierfür sind zahlreich (Vögel beispielsweise...). Resistenzen sind ein globales Problem und m.E. praktisch nicht mehr eingrenzbar.
 
Hallo Melli,
Wie kann das sein? Es würde nur frisches Wasser, Salz und ab und an Chlordioxid dazugegeben.
Chlordioxid kann ein Grund sein für Resistenzbildung bei den Bakterien.
Woher kommen die Resistenzen?
Da gibt es viele Gründe. Aufzucht/Behandlung mit Antibiotika, Desinfektionsmittel die nicht ausreichend dosiert wurden, schwache UVC, Wasser, Gerätschaften um ein paar Quellen zu nennen.
Die werden doch nicht vererbt?
Bei den Bakterien schon.
Kann es sein, dass man sich auf lange Sicht Antiobiotika in kleinen Mengen ständig über das Futter gibt? Lachsmehl aus Zuchtfsichen könnte doch schon ein Problem sein?
Sehr unwahrscheinlich, die Lachse, und damit indirekt der Schlachtabfall, werden auf Antibiotika getestet. In Lachs aus Norwegen ist Antibiotika praktisch kein Thema mehr. Die haben es geschafft den Verbrauch in der Lachszucht um 90% zu senken.
Die Bekannte füttert ein günstiges Futter mit viel Protein, Leider auch Blutmehl und Geflügelprotein drin. Kann das ggf. das Problem sein?
Auch hier gilt, sehr unwahrscheinlich. Da das Futter bei der Herstellung erhitzt wird, und damit die Bakterien abgetötet sein sollten, ist der Weg relativ begrenzt. Trotzdem diskutiert man in der Aquakultur über die Sterilisation von Futter vor dessen Verfütterung.
Übrigens, einige Antibiotika überstehen auch eine längere Erhitzung relativ problemlos.

Dein Fokus liegt auf dem "falschen" Faktor. Für die Verbreitung der resistenten Keime sorgen in erster Linie die Bakterien, bzw. Produkte die mit solchen Bakterien kontaminiert sind. Bei einer Untersuchung mit einem Vergleich konventioneller Aufzucht und Bioaufzucht war die Keimbelastung mit resistenten Keimen relativ gering zwischen beiden Aufzuchtformen, bzw Bio hatte einen nur leicht geringeren Anteil resistenter Bakterien.

Wie Szin treffend geschrieben hat, resistente Keime sind inzwischen weltweit ein großes Problem. Ich stimme ihm zu, die Lage ist praktisch außer Kontrolle geraten.
 

wr

Business Mitglied
Hallo,
trotzdem fällt der Verdacht eher auf die Züchter. Hier wird nach wie vor zuviel Antibiotika eingesetzt. Dabei können Bakteriengruppen die nur fakultativ pathogen sind ( sagen wir mal nur in Ausnahmefällen krank machend) eine Resistenz entwickeln . Diese befinden sich zB. im Darm des Koi, würden ihn aber nur schädigen, wenn er schon halb tot wäre. Nun gibt es Bakterien die stark krankheitserregend sind, gegen die aber ansich Antibiotika wirken. Nun haben aber Bakterien die "unangenehme" Eigenschaft, dass sie den Genstrang auf dem die Resistenzen sitze auch an andere Bakteriengruppen weitergeben können. Geben die es an einen aggressiven Stamm weiter, wird der resistent und dann geht´s auf. Grundübel ist der Medikamentenverbrauch in der Landwirtschaft und Aquakultur, hier wird aus Sicht der Antibiotikaverordnung zu gering dosiert, damit das Bakterium überhaupt eine Chance hat resistent zu werden. Das geschieht aber , weil bis zum Verkauf keine Rückstände mehr nachweisbar sein dürfen. Die Resistenz der Bakterien wird übersehen. Erschwerend kommt hinzu das Problem der Kreuzresistenz d.h. Resistenzen wirken mitunter gegen mehrere Gruppen von Antibiotika.
Mich würde der Weg interessieren wie Chlordioxid eine Antibiotikaresistenz erzeugt. UVC und Desinfektionsmittel haben einen ganz anderen Mechanismus. UVC erzeugt Dimere und gegen die gibt es keine Resistenzen.
Gruß W
 
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