KHV 2018

Chris72

Mitglied
Wie sieht Eure Erfahrung mit KHV in den Teichen derzeit aus? Es ist ja in den Foren und Blogs eher ruhig um das Thema geworden.

Bei mir sind leider in den letzten Wochen einige Koi schnell und plötzlich verstorben. Bin zuerst von Columanris ausgegangen. Habe dann von einem Fisch eine Untersuchung eine Analyse auf KHV und CEV machen lassen und habe den Nachweis für KHV positiv. Das war bisher für mich immer ein Horroszenario.

Habe heute das Thema dann ausführlich mit einem sehr renommierten Koi Tierarzt besprochen.

Er hat mir gesagt, dass er diese Fälle seit einigen Jahren jeden Sommer zwischen Juni und August hat. Einige wenige Ausfälle (weit weg von den 80-100% die man oft liest). Der Verlust eines ganzen Bestandes - wie in der Anfangszeit von KHV - tritt eigentlich gar nicht mehr auf. Verluste werden von Jahr zu Jahr geringer.

Den Virus haben nach seiner Aussage vermutlich nahezu alle Koi die aktuell aus Japan kommen in sich. Die KHV Tests können dies aber nicht nachweisen. Erst durch Stress kann es ggf. zu einem Ausbruch kommen. Da aber auch viele Tiere schon Antikörper haben, ist die Ausfallquote bei Koi - im Gegensatz zu Speisekarpfen - mittlerweile deutlich geringer. Hier tritt ja meist ein Massensterben ein.

Bei mir scheint der Spuk vorbei. Alle andere Koi scheinen top fit. Ausfallquote lag bei 15%. Vor allem einige jüngere neu eingesetzte Koi.

Keulen der Koi (was bei Privatteichen ja auch nicht verpflichtend ist) würde er nicht empfehlen.

Der Virus ist losgelöst von der Theorie, dass die Japan Koi nahezu alle Carier sind, so stark verbreitet (aktuell gibt es ja in mehreren europäischen Ländern in Seen massive KHV Fälle), dass man ein einschleppen von außen (z.b. Vögel) kaum verhindern kann.

Wenn das so stimmt, dann müssen wir ja eigentlich von einer Durchseuchung sprechen. Das gibt es beim Menschen ja auch (der Epstein-Barr-Virus (EBV) Pfeiffersche Drüsenfieber hat z.b. eine Durchseuchung von fast 99% in der Bevölkerung).

Wie seht ihr das?
 

austriacarp

Mitglied
Was für ein renomierter Koi Tierarzt hat dir gesagt das nahezu alle Koi aus Japan den KHV Virus in sich tragen? Solle das so sein dann bricht der auch in jeden Teich aus. Ich gehe davon aus das du neue Koi dazu gesetzt hast. Wo hast du die her?
 

kiutsuri

Mitglied
austriacarp schrieb:
Was für ein renomierter Koi Tierarzt hat dir gesagt das nahezu alle Koi aus Japan den KHV Virus in sich tragen? Solle das so sein dann bricht der auch in jeden Teich aus. Ich gehe davon aus das du neue Koi dazu gesetzt hast. Wo hast du die her?
Das fände ich auch eine wichtige Info. Letztes Jahr wurde die Infektion bei einem Grosshändler in D verschleiert. Nachträglich spricht man darüber... Hat sicher vielen Fischen das Leben gekostet!
 

Gotti

Mitglied
Und welcher Großhändler ist das?

Das wäre ja strafbar da die wissentliche Verbreitung einer Seuche unter Strafe steht.
 

Chris72

Mitglied
austriacarp schrieb:
Was für ein renomierter Koi Tierarzt hat dir gesagt das nahezu alle Koi aus Japan den KHV Virus in sich tragen? Solle das so sein dann bricht der auch in jeden Teich aus.
Ich werde hier im Forum keine Namen posten.

Er hat mir das so erklärt, dass in den letzten 20 Jahren nahezu jeder Züchter in Japan KHV Ausbrüche hatte (bekannte oder auch unbekannte Ausbrüche). Alle Koi kommen mit dem Virus oder einer mutierten Variante in Kontakt. Neben dem japanischen KH-Virus gibt es auch eine mutierte europäische Version (steht auch in der zitierten Studie).

Die aktuellen KHV Tests sind nicht sensibel genug. Nur wenn der Koi deutlichem Stress vor dem Test ausgesetzt ist, dann kann ggf. das Virus nachgewiesen werden.

Ist das Immunsystem stabil, dann ist der KHV Test negativ (auch wenn der Koi den Virus in sich hat). Er muss dann aber keine anderen Koi infizieren.

Ausbrüche gibt es erst, wenn Tiere immungeschwächt sind.


austriacarp schrieb:
Ich gehe davon aus das du neue Koi dazu gesetzt hast. Wo hast du die her?
Ja. Ich habe im April und Juni neue Koi zugesetzt. Im April 5 Koi und und im Juni noch einmal 3. Alle vom gleichen Händler. Auch im letzten Jahr habe ich nur von diesem Händler Koi bezogen.

Auch hier werde ich keinen Namen nennen. Aber es ist ein Händler der nur Koi vertreibt und eher hochwertige Tiere hat (keine 49,- EUR Koi). In den Becken sind meist nur wenige Koi und werden unter guten Bedingungen bei 22-23 Grad gehalten.

Temperaturen sind bei mir in Teich seit April durchgehend 22-24 Grad (Luft Wärme Pumpe). Nach dem Zusetzen im April gab es keine Probleme. Nach dem Zusetzen im Juni begann der Ausbruch ca. 6 Tage nach dem Zusetzen. Ich hatte zuerst baketrielle Probleme vermutet.

Insgesamt sind 6 Koi gestorben. 2 davon aus dem Zusetzen im Juni, 3 aus dem Zusetzen im April, 1 Koi aus dem letzten Jahr (gleicher Händler) und nur ein Koi der schon lange im Bestand war.

Sicherlich war das Zusetzen der neuen Koi der Auslöser.

Insgesamt sind 15% der Koi im Teich verstorben. Berechnet man die Ausfallquote auf die neu zugesetzen Koi, dann beträgt diese 50%. Auf den Altbestand bezogen beträgt die Ausfallquote dagegen nur knapp 5%.

Aber was sagt das aus? Sind die neuen Koi immungeschwächt und für eine Infektion bzw. den Ausbruch empfänglich? So ist es beim Menschen ja z.b. beim EBV.

Haben alle anderen Koi Antikörper und sind immun? Im Teich sind keine Euro-oder Israel-Koi, die ggf. gezielt immunisiert wurden. Es schwimmen z.b. zwei 4-jährige Konishi Karashi völlig unbeeindruckt vom Virus im Teich.

Die geringe Ausfallquote - vor allem im Altbestand - kann ja nur auf Antikörper zurückzuführen sein. Wildkarpfen oder Speisekarpfen dagegen reagieren ja viel empfindlicher auf den Virus. Hier liegt die Ausfallquote ja bei 80-100%.
 

konny

Mitglied
Ich hatte in diesem Jahr bereits einige Verdachtsfälle von denen der Großteil sich dann mittels Labor als Columnaris raus gestellt hatte, 2 Teiche waren aber KHV positiv. Ein Teich hatte seit vielen Jahren keine Koi mehr eingesetzt und nur Japaner die nur bei einem Händler gekauft wurden über längerem Zeitraum, die waren teils über 20 Jahre alt und der andere Teich hatte ebenfalls nur Japaner von Händlern die als Vertrauenswürdig gelten, zuletzt von eben solchen Händlern 2 Monate vor Ausbruch der Seuche eingesetzt.

Lange Rede kurzer Sinn, bei allen mir bisher unter gekommenen Ausbrüchen lag als Indikator Streß, bedingt durch schlechte Wasserwerte vor. Egal ob bewusst verschleppt oder unbewusst, die Koi lassen sich leider diesen Streßfaktor nicht so gut anmerken. Mit schlechten Wasserwerten sind tatsächlich Nitrit und Ammonium gemeint, selten hoher Keimdruck, der in Verbindung mit Wärme ist eher ein Indikator für Columnaris.

Sicher sind wir tatsächlich alle nicht mehr, Schläfer haben wir wohl fast alle in den Teichen und die brauchen nur die richtigen Bedingungen. Meist treten die nie auf aber manchmal eben doch.
 
Hallo Konny,
konny schrieb:
der andere Teich hatte ebenfalls nur Japaner von Händlern die als Vertrauenswürdig gelten, zuletzt von eben solchen Händlern 2 Monate vor Ausbruch der Seuche eingesetzt.
es gibt keine vertrauenswürdige Händler.
Für hohe Sicherheit gibt es nur eine eigene (richtige) Quarantäne für meine Neuzugänge.
konny schrieb:
bei allen mir bisher unter gekommenen Ausbrüchen lag als Indikator Streß, bedingt durch schlechte Wasserwerte vor.
Ich würde sogar noch mehr verallgemeinern. Der Trigger für einen Ausbruch ist Stress jeglicher Art.
 

Sumi1

Mitglied
normalerweise werden KHV Proben kurz nach dem Import gezogen, wenn die Tiere, also stark unter Stress stehen, damit soll das Risiko minimiert werden.
So denn die Tests da durchgeführt werden, sollte das Risiko minimiert sein, aber ausschließen kann man es trotzdem nicht, auch bei einer selbst durchgeführten Quarantäne besteht ein Restrisiko, dessen sollte man sich bewusst sein, allerdings verdrängt man das schon gerne!

Viele Grüße Sumi
 

Fred S

Mitglied
Ich frage mich wie Stress bei Japankoi verhindert werden soll :?: Wenn man sich überlegt welchen "Leidensweg" oder besser welche ständigen Veränderungen sie durchmachen müssen(rausfangen,Transport,Quarantäne beim Händler,kein Futter,Transport zum Käufer,Quarantäne,kein Futter und immer wieder fangen)bis sie dann letztlich im Teich des Käufers die hoffentlich letzte Stresssituation hinter sich gebracht haben. Da wundert es mich nicht, das 30% auf der Strecke bleiben - aber wie ändern, geht nicht.
Viel weniger Stress wäre z.B. von Gotti Tosai aus dem Teich zu hohlen :lol: :lol: :lol: und sie dann ans eigene Teichmilieu zu gewöhnen, bloß mal als Beispiel :D Es gab auch keine Probleme bei meinen abgegebenen Tosai.
Jetzt mal ganz abgesehen vom Ernst und Drama mit KHV und Kolumnaris
Gruß Fred :p
 

austriacarp

Mitglied
Einerseits wird geschrieben das KHV in Teichen ausbricht wo Jahre lang keine Fische zugesetzt wurden und anderer seits von richtiger Quarantäne. In der Quarantäne absichtlich den Fischen Stress machen ist doch völliger Quatsch hiermit fördert man ja auch den Parasiten Befall und in welcher Quote der zu KHV steht brauche ich ja nicht zu sagen. Wie Fred schon geschrieben hat sind die Koi beim und nach den Import extremen Stress ausgesetzt und was für Nitrit Werte die Händle Becken haben wollen wir gar nicht wissen.
 

KoiFanatic66

Mitglied
Ich habe vergleichbare Aussagen bzgl eine breitflächigen Virusbelastung/Antikörperbildung mit CEV von Fachseite gehören. Grundaussage war, dass die meisten Koi Antikörper besitzen und dass Probleme eher in Beständen auftreten, die länger keine Zugänge hatte, so dass sich solche Antikörper nicht gebildet haben.
 

Molch

Mitglied
austriacarp schrieb:
Einerseits wird geschrieben das KHV in Teichen ausbricht wo Jahre lang keine Fische zugesetzt wurden und anderer seits von richtiger Quarantäne. In der Quarantäne absichtlich den Fischen Stress machen ist doch völliger Quatsch hiermit fördert man ja auch den Parasiten Befall und in welcher Quote der zu KHV steht brauche ich ja nicht zu sagen. Wie Fred schon geschrieben hat sind die Koi beim und nach den Import extremen Stress ausgesetzt
Hallo Fredl!

Ein wichtiger Faktor fehlt in Deiner Sichtweise.

Liegt die Temperatur nicht im "optimalen" Bereich, kann das Virus nicht sicher reaktiviert werden. Der Stresslevel ist hier nicht der entscheidende Faktor.
Importtemperaturen liegen immer weit unterhalb des nötigen Temperaturfensters.
Eine vorbildliche Quarantäne MUSS daher bei min. 22°C durchgeführt werden.
Bei einigen Anlagen eher Wunschdenken!

austriacarp schrieb:
und was für Nitrit Werte die Händle Becken haben wollen wir gar nicht wissen.
:autsch:
 
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