Koi liegt seit gestern kieloben am Boden, lebt aber noch. Was tun?

katzegunilla

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Hallo zusammen,
wir haben gestern in unserem Koiteich einen Koi entdeckt, der kieloben am Grund lag. Wir dachten, er ist tot. Als wir ihn vorsichtig angestupst haben mit einem Kescher, haben wir gemerkt, dass er noch lebt. Ein Freund von uns, der was von Fischen versteht (Angler) sagte uns, der liegt im Sterben. Nachdem das Wasser so kalt ist, wird er langsam einschlafen. Wir sollen am nächsten Tag nochmal probieren, ob er tot ist und ihn dann rausholen. Heute wieder das gleiche Spiel: Er lag kieloben auf dem Teichgrund. Beim Anstupfen hat er sich bewegt und ist in die Flachwasserzone des Teiches geschwommen. Was würdet Ihr machen? Unser Freund ist eigentlich gerade auf dem Weg zu uns, damit er den Fisch möglichst schmerzfrei ins Jenseits befördert. Die anderen Kois machen alle einen sehr guten Eindruck. Was würdet Ihr tun? Abwarten, ob er nochmal wird? Oder ist das nur eine Verlängerung des Sterbens? Es ist übrigens nicht unser Sorgenkind, der die Probleme mit der Schwimmblase hat, der lebt immer noch munter.
Vielen Dank für Eure Hilfe!
 
Unser Freund hat den Koi jetzt betäubt und einen Herzstich verpasst. Anschließend haben wir den Fisch aufgeschnitten, um eventuell was über die Todesursache heraus zu finden. Uns hat insbesondere interessiert, ob vielleicht eine Laichverhaltung vorliegt. Das war es nicht, aber der Fisch war nach Meinung von unserem Freund stark verfettet. Ich stelle nachfolgend mal ein Bild von dem aufgeschnittenen Koi ein. Mich würde interessieren, ob das vielleicht mit der Fütterung zusammenhängen kann. Natürlich füttere ich im Winter nicht. Ich habe bei einer Wassertemperatur unter 8 Grad aufgehört zu füttern. Wie denkt Ihr darüber?
 

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Erkennbar war an den Brustflossen eine Veränderungen, die auf Azidose oder Ammoniakvergiftung hindeuten. Ich schätze mal die Kiemen hatten ein Problem. Welche Wassertemperatur war oder ist im Teich? Vielleicht wäre der Fisch noch durch Wärme und frischem Wasser gerettet worden, aber nun ist es eh zu spät. Ein Blick in die Kiemen wäre aber vielleicht noch ratsam/hilfreich..
 
Warum „natürlich“ im Winter nicht gefüttert wird, erklärt sich mir nicht. Manche Fische neigen nun einmal zu Übergewicht und andere nicht. Ist wie bei Hunde, Katzen oder Menschen nicht anders. Das wird aber nicht die Todesursache gewesen sein. Ob dieser Fisch wirklich übergewichtig war, ist leider an der Art und Weise, wie er geöffnet wurde, auch nicht erkennbar. Ein wohl genähter Koi hat im Winter immer Fettreserven.
 
Man sieht auf dem Bild starke, helle Fettdepots. Ursache dafür ist (meine Vermutung) ungeeignetes Futter. Diese Fettdepots kann der Fisch im Winter kaum nutzen. Kohlenhydratreiches Futter ist bei niedrigen Wassertemperaturen der Krankmacher #1.
Welches Futter (Herstellerangaben) hast du denn verfüttert?
Und Konny, in einem "wohl genährten" Karpfen schaut es grundsätzlich anders aus.
 
Und Konny, in einem "wohl genährten" Karpfen schaut es grundsätzlich anders aus.
Ich bekomme so oft Bilder von aufgeschlitzten Fischen, wo das Innere daneben liegt. Die haben meistens reichlich Fettpolster unter der Haut. Viel wichtiger als die Fettpolster sind aber die abgestorbenen Flossenränder. Die deuten nämlich auf ein ernsthaftes Problem hin, das möglicherweise auch die anderen Fische gefährden könnte.
 
Eine Quellenangabe gebe ich euch mal:
Dr. Birgit Schmidt- Puckhaber
Fisch vom Hof?!
-Fischerzeugung in standortunabhängigen Kreislaufanlagen-
Habe nun keinen Bock in meinen anderen Büchern nach weiteren Quellen zu suchen.

Das sind einfach die Grundlagen der Fischernährung.
Konny, andere Krankheitsbilder können doch durch eine falsche Ernährung entstehen oder begünstigt werden, oder nicht?
 
Eine Quellenangabe gebe ich euch mal:
Dr. Birgit Schmidt- Puckhaber
Fisch vom Hof?!
-Fischerzeugung in standortunabhängigen Kreislaufanlagen-
Habe nun keinen Bock in meinen anderen Büchern nach weiteren Quellen zu suchen.

Das sind einfach die Grundlagen der Fischernährung.
Konny, andere Krankheitsbilder können doch durch eine falsche Ernährung entstehen oder begünstigt werden, oder nicht?
Fischzucht Anlagen und Koiteiche oder besser gesagt Karpfen und Koi miteinander zu vergleichen hinkt.

Das, auf was ich hingewiesen habe, hat nichts mit Ernährung zu tun und ist auch keine Folge schlechter oder übermäßige Ernährung. Der Fisch ist nicht an einem potentiellen Übergewicht gestorben!!! Manchmal macht es Sinn genau hin zu schauen und die Feinheiten zu beachten. Die sind nicht selten wichtiger als das vermeintlich offensichtliche.
 
Eine Verfettung als Todesursache kann man bei der Körperform praktisch ausschließen. Ein Koi mit schöner, harmonischer Silhouette stirbt nicht „einfach so“ an Fettansatz.
  • Absondern / abgelegen liegen → klares Zeichen von längerem Unwohlsein bzw. systemischem Problem
  • Deutliche Läsion unten am Körper → Druckstelle, sekundäre Infektion oder Eintrittspforte
  • Eingefault wirkende Flossenränder → typischer Hinweis auf bakterielle Belastung (häufig Aeromonas/Pseudomonas-Umfeld)
  • Das alles spricht für einen chronischen Verlauf, nicht für ein plötzliches Ereignis
Und ja:
Mit frühem Erkennen,
Quarantänebecken,
langsamer Temperaturerhöhung,
ggf. gezielter Behandlung (Salz, Wundversorgung, je nach Befund weitergehend)

… hätte durchaus noch eine realistische Chance bestanden. Gerade Wärme + Ruhe + sauberes Wasser wirken bei solchen Fällen oft erstaunlich gut, wenn man rechtzeitig eingreift.
 
Kohlenhydratreiches Futter ist bei niedrigen Wassertemperaturen der Krankmacher #1.
Ich weiß nicht, von wieviel Kohlenhydraten du sprichts? Oder verwechselst du etwas ?

Werden nicht gerade bei langsam arbeitender Verdauung Kohlenhydrate besser verwertet?
Sind nicht auch gerade bei kälteren Temperaturen Kohlenhydrate leichter verdaulich, belasten nicht
den Stoffwechsel und dienen den Koi als Energiequelle?

Möglicherweise interpretierst du auch einige Aussagen oder Zusammenhänge vom genannten Buch und genannter Autorin
anders.
 
Zentrale Folgekrankheiten und -störungen (Schwerpunkt Winter)
1️⃣ Fettleber (hepatische Lipidose) – häufigste und wichtigste Folge
Mechanismus:
Überschüssige Energie → Einlagerung von Fett in der Leber
Im Winter kaum Mobilisation möglich
Folgen:
reduzierte Entgiftungsleistung
gestörter Protein- und Kohlenhydratstoffwechsel
verminderte Glykogenregulation
Erkennbar an:
blasse, vergrößerte Leber (bei Sektion)
träge, schlecht belastbare Fische
erhöhte Ausfälle bei Stress (Umsetzen, Kälteeinbruch)
➡️ Schlüsselproblem, da die Leber im Winter ohnehin im Sparmodus läuft.
2️⃣ Immunsuppression (Winteranfälligkeit)
Mechanismus:
Fettgewebe wirkt hormonell (Zytokine)
Energie steht nicht schnell verfügbar zur Verfügung
Leber als Immunorgan eingeschränkt
Folgen:
erhöhte Anfälligkeit für:
Aeromonas
Pseudomonas
Saprolegnia (Pilz)
verzögerte Wundheilung
Erkennbar an:
„unerklärlichen“ Winter- oder Frühjahrsverlusten
Sekundärinfektionen ohne klare Primärursache
3️⃣ Osmoregulatorische Schwäche
Mechanismus:
Fett verdrängt Organe
Leber & Niere arbeiten ineffizient
Energie für aktive Ionentransporte fehlt
Folgen:
schlechte Anpassung an:
Temperaturwechsel
Salzgehalt
pH-Schwankungen
Erkennbar an:
Teilnahmslosigkeit
Kippreaktionen bei Stress
schlechte Erholung nach Wasserwechseln
4️⃣ Verdauungsstörungen / Darmträgheit
Mechanismus:
viszerales Fett behindert Darmperistaltik
niedrige Enzymaktivität im Winter
unverdaute Reste im Darm
Folgen:
Futterverwertung stark reduziert
Gärungsprozesse
innere Belastung durch Abbauprodukte
Erkennbar an:
Futteraufnahme ohne sichtbare Kondition
schleimiger Kot (wenn überhaupt Kotabsatz)
aufgeblähter Bauch ohne Aktivität
5️⃣ Reduzierte Winter- und Frühjahrsresistenz
Mechanismus:
Fett ist schlecht mobilisierbar
echte Energiereserven fehlen
Muskel- und Glykogenreserven zu gering
Folgen:
erhöhte Mortalität bei:
langen Wintern
spätem Frühjahrsstart
schlechte Kondition im Frühjahr trotz „dicker“ Optik
➡️ Typisch: „Fett, aber kraftlos“
6️⃣ Sekundäre Herz-Kreislauf-Belastung
Mechanismus:
erhöhte Masse im Bauchraum
verminderte Sauerstoffeffizienz
geringere Belastbarkeit bei Kälte
Folgen:
schnelle Erschöpfung
schlechte Sauerstofftoleranz
erhöhte Ausfälle bei Sauerstoffmangel (Eis, Schneedecke)
Wichtig: Warum besonders im Winter?

➡️ Was im Sommer kompensiert wird, wird im Winter zum Problem.
Zusammenfassung (klar & fachlich)
Zu viel viszerales Fett beim Karpfen kann – besonders im Winter – führen zu:
Fettleber
Immunschwäche
erhöhter Infektanfälligkeit
osmoregulatorischer Instabilität
Verdauungsstörungen
erhöhter Winter- und Frühjahrssterblichkeit
Es ist kein harmloser Energiespeicher, sondern ein Risikofaktor, der sich erst zeitverzögert bemerkbar macht.
 
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