Teil 9, Die Entstehung einer Bonsai - Miniaturlandschaft

Tsukubai

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Hallo Zusammen,

angeregt durch einen Beitrag über chinesische Miniaturlandschaften (Penjing, pen = Schale und jing = Landschaft) habe ich mir nun vorgenommen eine Landschaft zu gestalten und die Entstehung bzw. die Gestaltung Schritt für Schritt hier in Koi live einzustellen.

Eigentlich hatte ich mir so ein Projekt für das Winterende vorgenommen, aber auch ich bin auf eine gewisse Art und Weise ungeduldig :roll: :lol: Hierbei möchte ich aber erwähnen, dass so eine frisch gestaltete Landschaft frostempfindlich ist und bis zum Frühjahr kalt und möglichst geschützt aufgestellt werden muss.

Als Bepflanzung dieser Landschaft verwende ich ein zweites Hainbuchenwäldchen, welches ich seit etwa 2 Jahren in einer Tonschale pflege. Als Unterlage für diese Miniaturlandschaft verwende ich keine Bonsaischale, sondern eine Schieferplatte. Diese kann man über einen Dachdeckerbedarf beziehen. Die unbearbeitete Schieferplatte hat eine Länge von 60 cm und eine Breite von 30 cm. Da mir diese Platte zu kantig erschien, habe ich mir diese mit einer Schieferschere oval geschnitten.

Fortsetzung folgt :D

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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Tsukubai

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Hallo Zusammen,

da so eine Bonsai - Miniaturlandschaft nicht gerade ein Leichtgewicht sein kann, habe ich heute die Schieferplatte mit einer zweiten oval geschnittenen Schieferplatte verstärkt. Diese Verstärkungsplatte ist etwa 3 cm kürzer und 3 cm schmaler, sodass die Auflagenplatte ihren zierlichen Eindruck beibehält. Ein bisschen wirkt es auch, als würde die Landschaftsplatte in der Luft schweben. Des Weiteren habe ich auch 4 runde Füße aus einer kleineren Schieferplatte mit der Schieferschere geschnitten.
Die zwei Platten sowie die Füße habe ich mit einem Mörtelbrei (Mischungsverhältnis 1:1 Sand / Trasszement) verklebt.

Die Auflagenplatte aus Naturstein für die Bonsai - Miniaturlandschaft ist somit fertig und trotz der Unebenheit eines Natursteines steht diese Platte ohne zu wackeln fest auf allen vier Füßen 8) :D

Fortsetzung folgt

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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Tsukubai

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Hallo Zusammen,

nun beginnt die Landschaftsgestaltung der Schale :D

In der Regel startet man mit der groben Steinsetzung. Die Steine sollten einen natürlichen Charakter haben und es macht Sinn auch nur eine Art von Naturstein zu verwenden. Wichtig ist natürlich auch, dass die Proportionen im Vergleich zur Landschaft stimmen.
Als Thema für diese Landschaft habe ich mir die "Seenform" ausgewählt. Das bedeutet man hat ein Landteil und eine symbolische Wasserfläche. Um die Landschaft plastisch zu gestalten, sollte das Landteil nicht zentral platziert werden, sondern in einem Eckbereich der Platte. Ich habe mich entschieden das Landteil in die rechte hintere Ecke zu setzen und das Wasserteil im vorderen sowie im linken Bereich der Platte.
Es ist anzuraten sich eine größere Anzahl an Steinen bereit zu legen, um eine bessere Auswahl zu haben. Nun können die Steine auf der Platte ausgelegt werden. Hierbei ist die räumliche Tiefe zu beachten. Diese erreicht man dadurch, dass alles was vorne ist größer sein muss als das was sich im hinteren Bereich der Platte befindet. Also um so weiter weg, desto kleiner.
Die Steine werden zuerst nur locker auf die Platte gelegt bis die Platzierung steht. Erst dann werden die Steine auf der Platte mit Fliesenkleber oder Mörtelbrei fixiert, um ein Verrutschen zu verhindern.

Fortsetzung folgt

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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galaxy160

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Hallo,
wirklich toller Anfang,aber sollten die großen Steine nicht nach hinten?

Grüße vom großen See,

Uwe
 

Tsukubai

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Hallo Traudel,
hallo Felix,

es freut mich sehr, dass Euch beiden diese Dokumentation, man könnte auch sagen "Bauanleitung" gefällt :D

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

Tsukubai

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galaxy160 schrieb:
Hallo,
wirklich toller Anfang,aber sollten die großen Steine nicht nach hinten?

Grüße vom großen See,

Uwe
Hallo Uwe,

vielen Dank. Schau mal, genau andersrum :p

Tsukubai schrieb:
Hierbei ist die räumliche Tiefe zu beachten. Diese erreicht man dadurch, dass alles was vorne ist größer sein muss als das was sich im hinteren Bereich der Platte befindet. Also um so weiter weg, desto kleiner.
Viele Grüße :wink:
Thomas
 

Tsukubai

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Hallo Zusammen,

gerne verrate ich auch um welche Art von Naturstein es sich hierbei handelt. Es ist Porphyr aus dem Sauerland. Da ich dort ab und zu beruflich Natursteine aussuche, habe ich immer wieder die Gelegenheit mir auch etwas für unseren Garten auszusuchen. Da in diesem Steinbruch der Porphyr in verschiedenen Farben auftritt, dürfte für jeden Geschmack farblich etwas dabei sein.

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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Ayame

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....zu dem Aufbau der Steine nochmal......

Große Steine gehören nach hinten und die kleineren nach vorne :wink: nicht so wie Du es beschrieben hast. Penjin habe ich selber schon gestaltet.....

Selbst beim Ikebana ist es so, daß "Hochelemente" nach hinten kommen.....nur so kann man eine Blicktiefe erzielen.

Beim Malen ist es etwas anders, zB. bei Tuschezeichnungen, da kommt vorangestellt der hohe Felsen in starker Farbe, nach hinten größer werdend, aber in der Blicktiefe deutlich blasser in der Farbe....

guck ma hier:

http://ibonsaiclub.forumotion.com/t1434 ... -landscape

oder hier:
http://www.absolutechinatours.com/china ... enzai.html
 

Tsukubai

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Hallo Iris,

vielen Dank für die Info. Ich habe meine Informationen aus dem Magazin "Bonsai Art" "Wasser - Land - Penjing: Gedanken zu Design und Ästhetik von Miniaturlandschaften."

Anbei ein Textauszug

"Perspektive ist auch hier wieder ganz wichtig. Als eine allgemeine Richtlinie empfiehlt es sich, größere Stücke mehr im Vordergrund und kleinere Stücke weiter im Hintergrund zu platzieren."

Bitte siehe auch das Bild.

Aber ich gebe zu, dass Deine und meine Informationen widersprüchlich sind.

Gerne scane ich auch mal den gesamten Artikel und setze diesen hier ein.

Ayame schrieb:
Penjin habe ich selber schon gestaltet.....
Liebe Iris, ich würde mich sehr freuen, wenn Du uns Dein Penjing mal zeigen könntest. Vielen Dank.

Viele Grüße
Thomas
 

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Tsukubai

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Hallo Iris,

mir ist aufgefallen, dass die Penjing in den Links fast nur aus Felsen bestehen. Vielleicht gelten andere Regeln für mineralische Penjing als für Bonsai - Penjing.

Viele Grüße
Thomas
 

Tsukubai

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Hallo Zusammen,

so wie es aussieht ist Penjing nicht gleich Penjing. Es gibt verschiedene Stilformen, die sich von der Gestaltung her unterscheiden.

Das Beispiel von Ayame (Iris) zeigt ein "Shanshui Penjing". Dies ist die Darstellung einer Miniaturlandschaft wie z. B. ein Gebirge. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf die Verwendung von natürlich geformten Steinen. Bäume spielen hier nur eine Nebenrolle. Hier werden hohe Felsen im Hintergrund plaziert um Tiefe zu erzeugen.

In meinem Beitrag stelle ich die Entwicklung eines "Shuihan Penjing" vor. Dies ist ein "Wasser und Land Penjin". Diese Gestaltung hat die gleichen Gestaltungsregeln wie die bei einer "Waldform" in der Bonsaigestaltung.
Hierbei gilt es Tiefe zu erzeugen, indem man Größere Elemente mehr in den Vordergrund platziert und kleinere in den Hintergrund. Ob es sich hierbei um Bäume oder Steine handelt ist gleichgültig.

Anbei eine Aufnahme aus dem

Magazin Bonsai Art Nr. 38, Seite 25
"Wasser - Land- Penjing: Gedanken zu Design und Ästhetik von Miniaturlandschaften"
Autorin: Katrin Albert
Gestalter: Herr Qingquan Zhao

Diese Gestaltung trägt den Namen "Pferde am Wasser" und ist in einer Seenform gestaltet.

An dieser Stelle möchte ich aber der Iris für Ihren Einwand danken, denn so konnten wir einmal die doch deutlichen Unterschiede in der Penjing - Gestaltung kennen lernen.

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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Tsukubai

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Hallo Zusammen,

beim Befestigen bzw. Fixieren der Steine auf der Platte sollte man den Mörtelbrei (Sand / Trasszement, Mischungsverhältnis 1 : 1) nur punktuell und sparsam verwenden. Die Fugen zwischen den Steinen müssen offen bleiben, um ein Abfließen von Niederschlags - und Gießwasser zu gewährleisten. Eine dichte Verfugung der Steine kann zu Staunässe und folgenschweren Wurzelschäden führen. Abflusslöcher in der Platte sind aber nicht notwendig, da die Schieferplatte keinen hochstehenden Rand wie eine Bonsaischale hat. Überschüssiges Wasser kann somit problemlos weg tropfen.

Im gleichen Arbeitsgang können nun auch die Befestigungsdrähte für die Waldbepflanzung befestigt werden. Diese Drähte geben den Pflanzen auf der Platte den anfänglich notwendigen Halt. Für die geplante Bepflanzung habe ich mich für 6 Befestigungspunkte entschieden. Der Bonsaidraht mit einer Stärke von 1,5mm wurde mit Mörtelbrei im Pflanzbereich an den Steinen oder aber direkt auf der Schieferplatte befestigt. Damit der Draht eine gute und feste Verbindung mit dem Mörtel aufnimmt, habe ich das Drahtende welches in den Mörtel gedrückt wird, schneckenschalenartig gedreht.

Fortsetzung folgt

Viele Grüße :wink:
Thomas
 

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