Veränderungen im Stoffwechsel, der Physiologie und der Energiebilanz der Koi bei niedrigen Wassertemperaturen Teil 1
Karpfen reduzieren den Gesamtstoffwechsel durch dessen Verlangsamung bei niedrigeren Temperaturen, wodurch der Energiebedarf sinkt, aber eine effiziente Funktion erforderlich ist.
Wichtige Enzyme erhöhen ihre Aktivität, um die Stoffwechselprozesse in der Kälte zu unterstützen.
Die Kälteakklimatisierung geht mit komplexen Veränderungen einher, wobei bestimmte Gene z.B. in Geweben wie Herz und Gehirn aktiviert werden.
Das Herz passt sich konsequent den Wassertemperaturen an und reduziert teilweise dramatisch seine Herzschlagrate. Diese kann bis auf 2-3 Schläge pro Minute fallen. Karpfenherzen wachsen bei niedrigeren Temperaturen (z. B. 5 °C) an Größe um die erhöhte Blutviskosität und die verminderte Kontraktilität auszugleichen. Das Herz erhält seine Funktion aufrecht, indem es Glykogenspeicher nutzt und Stoffwechselwege verändert, wodurch der Energiebedarf bei längerer Kälte/Sauerstoffmangel möglicherweise reduziert wird.
Die Nieren müssen härter arbeiten, um das innere Wasser-/Salzgleichgewicht (Osmoregulation) aufrechtzuerhalten, was einen erheblichen Energieverbrauch bedeutet, insbesondere wenn auch die Wasserqualität (Salzgehalt) eine Rolle spielt. Die Nieren aktivieren antioxidative Enzyme, um mit kältebedingtem oxidativem Stress fertig zu werden, was Energie verbraucht. Die Nierenfunktion und Stress-Biomarker können ansteigen, was einen höheren Energieverbrauch für Reparatur/Erhaltung anzeigt.
Der Energieverbrauch der Leber erhöht sich da der Kältestress die Leber zwingt, Glykogen (Kohlenhydrate) und Lipide (Fette) als Brennstoff abzubauen. Veränderte Biomarker deuten auf erhöhten oxidativen Stress und einen veränderten Lipid-/Glukosestoffwechsel hin und weisen auf einen hohen Energiebedarf hin.
Untersuchungen bei Karpfen zeigten erhebliche Unterschiede zwischen gefütterten und nicht gefütterten Karpfen nach dem Winter bei Kiemen, Haut und Verdauungstrakt auf. Nicht gefütterte Karpfen hatten dickere Kiemen, dünnere Haut und einen angegriffenen Verdauungstrakt, ganz im Gegensatz zu gefütterten Karpfen. Diese Veränderungen machten sie anfälliger für Krankheiten im Frühjahr.
Neben der Temperatur ist die Sauerstoffsättigung ein wichtiger Faktor für die Aufnahme/Verwertung von Futter durch die Karpfen/Koi. Immer wieder wird die Sauerstoffsättigung des Wassers im Winter unterschätzt. Dies gilt vor allem bei zugefrorenen oder abgedeckten Teichen. Wenn die Fische eine vorhandene Flachwasserzone aufsuchen ist dies ein Alarmzeichen.
Wildlebende Karpfen hatten bei Wassertemperaturen von 3-6°C bis zu 70% Futter im Verdauungstrakt. Hauptbestandteil war Debris, also verrottendes organisches Material. Dies widerlegt den unsinnigen Mythos in der Koiszene „Koi können durch verrottendes Futter sterben wenn man sie unter 10°C füttert“.